|
|
|
 |
|
|
|
  ANSICHTEN |
|
|
|
|
|
|
|
So wie das gelesene Wort zum Klang, zur Musik werden kann, entfaltet der von Sittner geschriebene Vers eine Art grafische Melodik, eine in sich geschlossene, nach Gefühlswerten geordnete Folge von zeichnerischen Symbolen. Sittner verbindet die ins Grafische übersetzte Sprachmelodie mit einer sehr weit ausgelegten Darstellung der Gedichtinhalte. Dabei entsteht eine beeindruckende und ganz individuelle Bildpoesie. Der Künstler beschränkt seine bildnerischen Annäherungen klugerweise auf Verse von Autoren, in deren Welt er sich wirklich einzufühlen vermag. Besonders wahlverwandt sind ihm offenbar die bedeutenden chilenischen Dichter des 20. Jahrhunderts. |
|
|
Nürnberger Nachrichten, 5. 5. 2011 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Das Entwerfen eines treffenden Logos oder Signets bezeichnet der Künstler als „Hohe Schule der Gebrauchsgrafik“, und man sieht den kleinen Kunstwerken an, dass sie Ergebnis einer kongenialen Verbindung von Aussage und Gestaltung sind. In diesen Werken zeigt sich die Originalität des Künstlers in ganzer Tiefe. Zum Beispiel im Logo für einen Forstfachbetrieb. Auf vollendete Weise verbindet sich hier die Assoziation des Betrachters zu „Wald“ der Baum mit der Weiterverarbeitung des Holzes dem kantigen Stamm. Prägnant und unverwechselbar ist zum Beispiel das weit über Cottbus hinaus bekannte Logo für den Branitzer Park oder für das Brandenburgische Textilmuseum in Forst. |
|
|
Franziska Steinhauer, Katalogtext 2010 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Ein Riesenmann steht, wie einst der Koloß von Rhodos, mit beiden Beinen auf den Dächern zweier moderner städtischer Paläste, eine Bank der eine, die Verwaltung einer Erzmine der andere. Achtzehn Minen in Chile sind privatisiert, nur eine, Codelco, ist im realen Chile wahrscheinlich nur noch für kürzere Zeit in staatlicher Verwaltung. Die Hose des Riesen aus fein gewebter Wolle mit Nadelstreifen, links ein Gentleman-Schuh, rechts der Bocksfuchs des Leibhaftigen. Der Mann pinkelt Geldstücke in die bunt wuchernde Welt aus Menschen und Geistern, Autobahnen, Treppen und Häusern, überwuchert von wilder, vielleicht schon längst vergifteter Natur. |
|
|
Günther Drommer, 2010 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Als Chilene fühlte ich mich tief berührt von Ihrer Fähigkeit, die Vielfältigkeit der chilenischen Landschaft auf so meisterhafte Art und Weise zu interpretieren in Werken, welche in ihrer Gesamtheit einen ganzheitlichen und harmonischen Blick auf unser Land ergeben. (...) In Ihrem Werk beweisen Sie ein meisterhaftes Können, die Beherrschung verschiedener Techniken und eine tiefe Verbundenheit mit den hervorstechenden Merkmalen unseres Landes. Ihre Malerei läst auf einen rastlosen, gewissenhaften Charakter schließen, welcher das Kombinieren von Farbe und Form sehr gut versteht. (...) Herausragend sind die Werke, die unseren großen Nobelpreisträger Pablo Neruda ins Gedächtnis rufen, einen erdverbundenen Poeten, in dessen Lyrik die Natur eine grundlegende Rolle gespielt hat. |
|
|
Prof. Dr. Álvaro Rojas Marín, Botschafter der Republik Chile in Deutschland, 2009 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Für Rudolf Sittner ist die Linie so etwas wie die Ur-Zelle künstlerischer Arbeit. Erstaunliches an Formen weiß Sittner mit der Linie zu entdecken. (...) Da werden Linien gebündelt, gedreht, verknüpft, gebrochen schier endlos sind die Einfälle, die trotz offensichtlich spielerischen Vergnügens höchste Präzision in der Ausführung demonstrieren. |
|
|
Arno Neumann, Lausitzer Rundschau, 2009 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Die Bilder sind anspruchsvoller, komplexer, mythischer geworden und, gemessen an typischer Kunstmarktproduktion von heute, sehr reich an Details. (...)Noch in Kenntnis der beiden Wirkungsbegriffe aller Kunst arbeitet Sittner immer zugleich an Inhalt und Form, welche sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern fördernd ergänzen. Heute muss sich mancher ästhetische Magen an solch volle Kost erst wieder gewöhnen, wenn er nicht beim Fast Food bleiben will. |
|
|
Peter Rohn, 2008 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Sittner ist ein nachdenkender, skeptischer Mensch, der politische und soziale Entwicklungen kritisch und gelegentlich wohl mit Entsetzen verfolgt. (...) Wie bei allen bedeutenden Künstlern ist auch bei ihm die Substanz nicht an der Oberfläche sichtbar, nicht festzumachen in Details. Was man sieht, scheint aber das Wesen der Dinge in sich zu bergen: spürbar wie die Ahnung, für die es keine Wörter gibt. |
|
|
Manuela Rieger, Landsberger Tagblatt, 2008 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Lebensfreude, Farbenfülle, aber auch die Zerstörung der Natur durch den Menschen sind Themen in den Bildern. Wenn sich zum Beispiel der intakte Urwald mit seiner unberührten Natur und seiner prächtigen Tierwelt wie dem bunten Paradiesvogel in eine verbrannte und verödete Welt verwandelt, die durch Raubbau und Zerstörung den Menschen, den Tieren und der Pflanzenwelt die Lebensgrundlage entziehen. |
|
|
Petra Grebe, Kölner Stadtanzeiger, 2007 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Die Faszination einer Literatur, die neben der Wirklichkeit auch immer etwas Geheimnisvolles, nicht Erklärbares enthält, überträgt Rudolf Sittner spielerisch auf seine Bilder. „Piedra en la piedra“ (Stein im Gestein) ist ein Bild zu einem Gedicht von Pablo Neruda. Aus der Distanz ist es ein Baum, beim näheren Betrachten wird der Stamm aus verschlungenen Körpern, werden die Äste aus Kirchen, Mauern, Toren und Tieren sichtbar. Treppen führen zuweilen auf mäanderförmigen Wegen in die Baumkrone. Die leuchtenden, miteinander verlaufenden Farben, verbunden mit den klaren Linien und Figuren fesseln den Blick, die Zeilen des Gedichtes verschmelzen mit der Darstellung. „Stein im Gestein, wo war er, der Mensch ...? |
|
|
Siegfried Laumen, Lausitzer Rundschau, 2007 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Dieser Künstler ist erkennbar. Das heißt, seine Arbeit hat jenen individuellen Anspruch, der den Orientierungen der Moderne vertraut und zugleich eine eigenständige, kräftige Bildsprache hinzufügt. Rudolf Sittner spielt mit den sparsamen Zeichen der Schrift, mit Geraden, Punkten, Flächen, mit den Charakteren von Farben, der Einfachheit, den elementaren Ideen. Sein grafisch orientierter Stil ermöglicht es, die Reinheit der Form und der Linie zu wahren und zugleich neue aufzufinden. Denn Kunst ist immer Neugewinn, - oder sie ist keine. |
|
|
Natur, Mensch und Landschaft sind für Sittner im Grunde identische Erscheinungen. Ihre Existenz beruht auf demselben Stoff, der einzigen Materie, die wir kennen. (...) Die menschlichen Körper gehen zuweilen in Landschaftsformationen über, entwickeln sich zwischen Licht und Schatten, Figur und Bildgrund. Rudolf Sittner gibt sich in seinem Werk preis. (...) Er ist modern.
|
|
|
(...) Mexiko ist das Land der neuen Entdeckungen. (...) In Vexierbildern, ungeheuren Farbgewittern auf der Leinwand, feingliedrigen Studien in Sepiatusche auf Papyrus oder Naturpapier geht es um die Einheit der Kulturen, ihre gemeinsamen Ursprünge und divergierenden Wahrnehmungen. Sie laufen auf dasselbe hinaus: Gott und die Welt, und wie der Einzelne es vermag, sich darin einzurichten. |
|
|
(Klaus Trende, 2004) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Dieses changierende Spiel mit der Doppel- und Mehrdeutigkeit der Form - zum Beispiel im Naturhaften weiblicher Fülle als Landschaft - oder umgekehrt - im natürlich Landschaftlichen als weiblich anmutige Gestalt - dieses Spiel bietet dem Auge mehr als nur lustvolles Spazieren im Kaleidoskop der Assoziationen. |
|
|
(Sebastian Zachow-Vierrath, 2004) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Alles wird, wie es war, und nichts bleibt, wie es ist. Werden und Vergehen, Lärm und Stille, diese Dialektik unseres Daseins ist das Thema der Kunst von Rudolf Sittner. Seine Impressionen aus Südamerika strudeln nicht selten zu einem wahren Karneval widerstreitender Gefühle, zu einem burlesken Totentanz des Zivilisierten. (...) Und dann diese Stille. Dort, wo der Mensch kläglich gescheitert ist, zieht sie wieder in die Landschaft, diese beängstigende, wie erholsame Stille. |
|
|
(Ralf Schleiff, 2003) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
So verbirgt sich bei einigen Bildern hinter melancholischer Klage auch die Sehnsucht nach einer anderen Welt. Das, scheint mir, ist ein ehrlicher Ausdruck dafür, Freundlichkeit als Wunsch, als Ziel, als Orientierungsmaßstab moralisch hochzuhalten als jenes weltferne, nur äußerlich freundlich-unverbindliche Gehabe. Rudolf Sittner gehört für mich zu jenen Cottbuser Künstlern, deren Anspruch auf künstlerische Qualität den Anspruch auf gedankliche und emotionale Tiefe einschließt. Gerade deshalb bewegt er sich mit seinen Arbeiten auf einem hohen Niveau, fern von aller Provinzialität und formal-konstruktivistischen Experimenten - und das nicht erst seit seiner Reise nach Chile. |
|
|
(Sebastian Zachow-Vierrath, 2004) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Diese Zeichnungen und Gemälde gelangen dem Grafiker erst, als er sich unbedingt dem Malen verschrieb. Bilder voll lustvoller Erkenntnis und zugleich kühne Entwürfe von der eigenen Seelenlandschaft. Das Faszinierende von Sittners jüngsten Arbeiten sind neben einem explosiven Farbrausch die Reinheit des Gedankens und die Klarheit der Empfindungen. Es gibt in der Tat kein Bild, das im Nebel liegt, im Ungefähren, Beliebigen. Sie sind alle deutlich, aber in viele Richtungen deutbar. |
|
|
(Klaus Trende, 1999) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Da werden die Äste und Zweige zu Vögeln und Fischen, der Baum vor dem Spreewaldkaten verwandelt sich in eine weibliche Gestalt, und hinter den Fensterlöchern ahnt man erneut die Osterinsel. Zurückgekehrt nach Cottbus, nach Branitz, Neuzelle und in den Spreewald, - wie sieht man Altvertrautes wieder? |
|
|
(Wolfgang Wegener, 1999) |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
In ihrem (der chilenischen Dichterin Gabriela Mistral, R.S.) Gedichtzyklus „Motive des Töpfertons“ geht es um das Gedenken an Verstorbene. Es spricht der Staub der Toten, eine für uns eher ungewöhnliche Vorstellung, in der in einer sehr leidenschaftlichen, aber auch gefassten, beherrschten Diktion die Einheit von Leben und Tod, von Liebe und Hass, von Schöpfung und Zerstörung beschworen wird. In der künstlerischen Umsetzung (...) beschränkt sich der Künstler auf drei grafische Formen und deren Kombination (...), wobei auch hier unseren Assoziationen keine Grenzen gesetzt sind. |
|
|
(Dr. Kitti Jurina, 1999) |
|
|
|
|
|
 |
|
|
|
|